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Mit Park und Markt punkten
Visualisierung: Greenbox Landschaftsarchitekten

Mit Park und Markt punkten

Lesedauer: ca. 3 Min. | Text: Stefan Prott

Wie Planer und Architekten die Hertener Innenstadt attraktiver machen wollen.

Es ist ein normaler Donnerstag im Mai. Auf dem Hertener Marktplatz parkt ein gutes Dutzend Autos, ab und an verliert sich ein Radfahrer auf dem weitläufigen Platz, vielleicht auf dem Weg zur Sparkasse oder zur Eisdiele auf der Ewaldstraße. Ansonsten: die große Leere, viel Pflaster und knackige Hitze auf einer Fläche, die rein vom Platzangebot gut ein Bundesligaspiel beherbergen könnte. Zweimal in der Woche ändert sich das Bild: Dann beleben die Stände des Wochenmarkts (aktuell am Dienstag und Freitag) den Platz. Aber so schnell, wie die Stände morgens aufgebaut sind, leert sich der Markt gegen Mittag wieder – und es kehrt eine bisweilen fast beklemmende Ruhe ein.

Was fehlt? Was stört? Was könnte mehr Menschen anziehen? Darüber haben sich 15 Teams von Landschaftsarchitekten und Verkehrsplanern im Rahmen eines städtebaulichen Wettbewerbs Gedanken gemacht, den die Stadt Herten im vergangenen Jahr ausgeschrieben hatte. Inzwischen hat das Preisgericht drei Siegerentwürfe gekürt und eine Anerkennung vergeben.

„Lebendiger Markt“ mit Fontäne

Den 1. Platz belegt der Entwurf der Kölner Landschaftsarchitekten Greenbox. Herzstück ist die Idee vom „Lebendigen Markt“: Die Marktfläche wird dabei reduziert, neu gegliedert und von mehreren grünen Inseln eingerahmt. Im nördlichen Teil ist eine multifunktionale Fläche für einen kompakteren Wochenmarkt und Veranstaltungen vorgesehen. Ein Highlight des Entwurfes ist ein befahrbares Fontänenfeld an der Kirche, das an Tagen ohne Wochenmarkt „Feuchtigkeit und Abkühlung zu Gunsten von Mensch und Mikroklima“ spendet – und für Kinder hohen Spielwert nicht nur im Hochsommer bietet.

Im Süden des Platzes lädt der stark begrünte „Marktgarten“ zum Verweilen ein – mit Hochbeeten, langen Sitzbänken, neuen Bäumen sowie zwei barrierefreien Holzdecks vor der Sparkasse und der Gastronomie an der südlichen Platzkante. Als verbindendes Glied dient der sogenanntes „Innenstadtteppich“: Der Kernbereich des Marktplatzes wird mit einem hochwertigen hellen Pflasterbelag hervorgehoben. Insgesamt soll der „Lebendige Markt“ die neue Visitenkarte Hertens werden, die „Qualität und Atmosphäre einer Parkanlage“ in der Innenstadt schafft. Unumgänglich ist dafür auch eine Sanierung der Eingänge zur Tiefgarage, die aktuell stark verschmutzte „Angsträume“ sind.

Geschicktes Verkehrskonzept

Neben optisch ansprechenden Gestaltungsideen überzeugte die Jury vor allem das von den Greenbox und GBP Ingenieuren entwickelte Verkehrskonzept. So löst der Entwurf geschickt die Vorgabe ein, Parkplätze zu erhalten: Auf der Westseite des Marktplatzes stünden 20 Stellplätze zur Verfügung – aber sie verschwinden optisch hinter den zwei Grüninseln mit Hochbeeten, die die Parkboxen und den Kernbereich des neuen Marktes voneinander trennen. Die An- und Abfahrt zu den Stellplätzen erfolgt ausschließlich vom südwestlichen Platzeingang an der Kurt-Schumacher-Straße (neben der Rampe zur Tiefgarage). Von hier aus können auch die Markthändler an- und abfahren.

Antoniusstraße attraktiver und autofrei

Der Vorteil dieser Verkehrsführung: Die Antoniusstraße könnte komplett autofrei werden. „Diese Entspannung auf der Antoniusstraße wird positiv bewertet“, sagt Carina Christian, Leiterin des Amtes für Stadtentwicklung, Wirtschaftsförderung und Umwelt. Allerdings, so ließ die Jury durchblicken, könne die neue Autofreiheit hier besser genutzt werden. So schlägt der Entwurf von GTL Landschaftsarchitektur (mit Anerkennung ausgezeichnet) auf der Antoniusstraße gegenüber der Kirche Außengastronomie, schattenspendende Bäume und Sitzmöglichkeiten vor – als „Erweiterung der Innenstadt mit hoher Aufenthaltsqualität“.

Vom Plan zur Umsetzung

Wie geht‘s weiter? Die Stadt will in zwei Beteiligungen ein Stimmungsbild von Bürgerschaft und Marktbeschickern einholen. Wenn der Rat zustimmt, sollen für 2027 Städtebaufördermittel beantragt werden. 80 Prozent des bisher geplanten Kostenrahmens von 2,5 Millionen wären förderfähig, weitere Mittel könnten aus dem KRIS-Topf für klimaresiliente Umgestaltung der Innenstädte kommen. 

Info
Bauprojekt Hertener Innenstadt

herten.de/neustart-innenstadt

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