In der Gastronomie wird’s eng. Das „Scherlebeck’s im Haus Berger“ denkt deshalb vor: mit einem genossenschaftlichen Betreibermodell.
Wirtin Vivian Promnik hat 2012 mit ihrem inzwischen verstorbenen Ehemann Stefan die Traditionsgaststätte „Haus Berger“ übernommen. Für das 125 Jahre alte Wirtshaus gilt der Leitspruch „Tradition bewahren – Neues gestalten“. Der zweite Teil des Mottos mündet aktuell in den Plan, eine Genossenschaft zu gründen.
Noch steckt das Vorhaben im embryonalen Zustand. Mögliche Interessenten haben sich zweimal getroffen. Rund 100 Leute stillten bei der ersten Zusammenkunft ihren Wissensdurst. Beim zweiten Mal interessierten sich immerhin noch 60 potenzielle Genossen für das Vorhaben. Noch ist konzeptionell nichts in Stein gemeißelt.
Vivian Promnik skizziert, was sie im Kopf hat: „Die Idee ist, dass der Betrieb von mir unabhängiger wird. Scherlebecker können die Gastronomie selbst in die Hand nehmen. Wünsche der Gäste können einfließen, etwa für Veranstaltungen. Vielleicht gibt es einen Hobbykoch, der Gäste mal verwöhnen möchte.“ Demnächst gibt es weitere Treffen. Wichtig ist ihr dabei: Das Scherlebeck’s bleibt Scherlebeck’s. À-la-carte-Betrieb, Feiern und Veranstaltungen laufen weiter wie gewohnt – die Genossenschaft soll nicht ersetzen, was da ist, sondern zusätzlich neue Möglichkeiten schaffen.
Die Wirtin spricht auch die soziale Funktion von Gastronomie an: „Eine Kneipe ist mehr als ein Ort, wo Bier und Speisen serviert werden. Es ist die Stätte, wo man sich treffen und austauschen kann.“ Der Ur-Scherlebecker Jogi Lenort ist schon jetzt von der Genossenschaftsidee begeistert: „Ich bin dabei. Gerne bringe ich meine handwerklichen Fähigkeiten ein.“
Zur Jahrtausendwende hat Herten einen erfolgreichen Testlauf erlebt: Beim Tausendsassa Günter Wichert konnten Gastro-Aspiranten unter dem Stichwort „Rent a Bar“ wochenweise die Szenekneipe „Makabar“ an der Schützenstraße mieten. „Der Bierumsatz war bombig“, erinnert er sich. Wichert animiert: „Genossen, ran an den Kochtopf und Zapfhahn!“